Geschichten  .......   
  die nur das Leben so schreiben kann  


Meine Gedanken - heute

Das Leben mit meiner Mutter hat mich schwer gezeichnet, bis heute bin ich davon geprägt. Viele Dinge, die für andere völlig normal sind, blieben für mich schwierig.

Ich fühle mich unwohl, wenn zu irgendwelchen Gelegenheiten, egal zu welchem Anlass, Menschen zusammenkommen. Betrunkene Personen sind mir verhasst. Der Geruch von Alkohol oder Zigaretten ruft Übelkeit und Abneigung in mir hervor. Und das sind nur einige wenige Beispiele......

Das erste Mal in meinem Leben so richtig von Herzen glücklich war ich mit der Geburt meines Sohnes. Ihm galt meine Fürsorge, meine Liebe aber auch meine Angst. Wir hatten eine sehr innige Beziehung, er war mein Stolz. Und ich schwor mir damals, er soll niemals ähnliches erleben müssen, wie ich es in meiner Kindheit erlebt hatte. Es war also alles in Ordnung, so glaubte ich.  Wir hatten bis in sein Erwachsenenalter ein liebevolles, enges und vertrautes Verhältnis. Zumindest habe ich es immer so empfunden. Ich war sicher, dass wir immer und zu jeder Zeit über alles reden könnten, füreinander da sein werden. Das war ein schmerzlicher Irrtum. Natürlich habe ich wie alle Mütter oder Väter Fehler in der Erziehung gemacht. Fehler, für die ich mich auch heute noch sehr schäme und leider nicht mehr rückgängig machen kann. 

Doch kann das allein der Grund für solch einen harten Schritt sein? Warum tut ein Kind das seiner Mutter an?

Natürlich weiß ich schon, dass viele Menschen felsenfest davon überzeugt sind,  nur allein die Eltern sind an solchen Kontaktabbrüchen „schuld“. Niemals würde doch ein Kind diesen Schritt machen, so glauben sie.  Die Eltern also sind für sie die wahren „Täter“.  

Wenn das mal so einfach wäre…..

Vielleicht mag das bei der einen oder anderen Familie auch zutreffen, doch es gibt tatsächlich auch noch eine andere Seite, die leider tabuisiert und verschwiegen wird. Den wahren Grund für die Trennung kenne ich nicht, den werde weder ich noch die vielen anderen verlassenen Eltern jemals erfahren, denn unsere Kinder reden nicht mit uns. Sie sind feige, stellen  sich nicht den Problemen, rennen lieber davon. Sind sich diese Kinder überhaupt der Tragweite ihres Handelns bewusst? Wie fühlen sie Jahre später? Können sie mit dieser "Schuld" überhaupt frei leben?  Fakt ist, dass mein Sohn nicht nur mich auf eine hässliche Weise entsorgt, sondern auch unsere kleine Familie dadurch auseinandergebracht hat. Sie existiert schlicht und einfach nicht mehr. 

Der Mensch, der mir einmal am wichtigsten war, hat mein Leben zerstört, einfach so, kalt und emotionslos, von einem Tag auf den anderen. Und ja, das hat mich sehr verändert, ich bin sehr tief gefallen, aber nicht liegen geblieben,  wie mein Sohn es sicher gern gesehen hätte.

Ich habe mich in den vergangenen Jahren gefühlsmäßig von ihm distanzieren können, musste lernen zu akzeptieren. Begreifen oder gar verstehen kann ich das Geschehene bis heute nicht. Doch auch nach nunmehr acht Jahren habe ich die Hoffnung  immer noch nicht aufgegeben, dass er irgendwann sein Handeln bereuen, den Weg zu mir finden und sich endlich erklären wird.  Ich denke täglich an ihn, vermisse ihn. Er bleibt mein Sohn und meine Tür wird immer für ihn offenstehen,  durchgehen allerdings kann nur er allein.

Vielleicht trifft ihn eines Tages die Erkenntnis, dass er nicht nur mir wehgetan hat, sondern auch sich selbst um viele gemeinsame Jahre mit seiner Mutter gebracht hat. Die kommen niemals wieder.   

 Deine Kinder sind nicht Deine Kinder, 

sie sind die Söhne und Töchter 

der Sehnsucht des Lebens nach sich selbst. 

Sie kommen durch Dich, aber nicht von Dir, 

obwohl sie bei Dir sind, gehören sie Dir nicht. 

Du kannst ihnen Deine Liebe geben, aber nicht 

Deine Gedanken; denn sie haben ihre eigenen Gedanken. 

Du kannst ihrem Körper ein Heim geben, 

aber nicht ihrer Seele, denn ihre Seele wohnt im 

Haus von morgen, das Du nicht besuchen kannst, 

nicht einmal in Deinen Träumen. 

Du kannst versuchen, ihnen gleich zu sein, 

aber nicht, sie Dir gleichzumachen, 

denn das Leben geht nicht rückwärts 

und verweilt nicht beim gestern. 

Du bist der Bogen, von dem Deine Kinder 

als lebende Pfeile ausgeschickt werden. 

Lass Deine Bogenrundung in der Hand 

des Schützen Freude bedeuten!


 

Khalil Gibran